"Jacques Tardi"
10.00 bis 23.00 Uhr
Foyer Kleiner Konzertsaal
Geboren 1946, verbringt Jacques Tardi seine ersten Lebensjahre im "Nachkriegs-deutschland", sein Vater ist Berufssoldat. Später quälten die Grausamkeiten des Krieges von 1914/18 - des Krieges seines Großvaters korsischer Herkunft - seine Kindheitsträume, bevor sie später als eine seiner wichtigsten Themen sein Werk inspirieren.
Seine ersten Comics läßt ihm sein Freund zukommen, der ihm die Wochenzeitschrift "Tintin" unter dem Gartenzaun durchschiebt.
Fasziniert lernt er so die großen belgischen "Zauberer" dieses Genre kennen: Hergé, Edgar P. Jacobs, Paul Cuvelier....
Jacques Tardi studiert an der Kunstakademie von Lyon, später in Paris. Er macht seinen Anfang 1969 in der Wochenzeitschrift "Pilot". 1972 erscheint seine erste abgeschlossene Geschichte "Aufruhr in der Rouergue" ("Futuropolis" 1976). Darüberhinaus veröffentlichte er verschiedene Kurzgeschichten, "Das Ende der Hoffnung" bei Dargaud 1974, gefolgt von "Die Blume im Gewehr" (neuaufgelegt von Casterman 1979) , dann "Der Dämon im Eis".
1974 erscheint "Die wahre Geschichte vom unbekannten Soldaten" bei Futuropolis in der Reihe 30x40. 1976 hat Jacques Tardi seinen Einstieg bei Casterman und beginnt die Reihe "Adeles ungewöhnliche Abenteuer", deren Erfolg nicht lange auf sich warten läßt. Diese bekannte Serie besteht aus 6 Büchern: "Adele und das Ungeheuer", "Der Dämon vom Eiffelturm", "Der Affenmensch", "Aufstand der Mumien", "Das Geheimnis des Salamanders", "Der Ertrunkene mit den zwei Köpfen". Das Siebte, "Tous des Monstres!" erscheint 1994 bei Casterman. Gleichzeitig hört Jacques Tardi nicht auf, sein Werk weiter zu entwickeln und zu bereichern: 1982 erscheint "Der Schnüffler" bei Dargaud, 1979 erscheint "Hier selbst" bei Casterman (vorveröffentlicht in A SUIVRE 1978). "Das Granatloch" wurde 1984 beim Bilderverlag Pellerin veröffentlicht, "Der Kakerlakenkiller" 1984 bei Casterman und 1996 "Polonius", nach einer Tragödie von D. Prévost.
1982 bearbeitet Jacques Tardi den berühmten Kriminalroman von Léo Malet, "Die Brücke im Nebel" (Edition Casterman), und 1988 fährt er fort, indem er erfolgreich ein neues Abenteuer von Nestor Burma bearbeitet, "120, Rue de la Gare" (bei Casterman), gefolgt 1986 von "Casse-pipe de la Nation".
Der bemerkenswerte Verlauf, die Originalität und Reichhaltigkeit seiner künstlerischen Produktion machen Jacques Tardi heute zu einem der bedeutensten Comicautoren Europas.
Diese Kreativität wurde überdies durch zahlreiche Auszeichnungen belohnt:
- Le grand prix Phénix (1974)
- L´Alfred du meilleur dessinateur (1975)
- Le grand prix de l´Humeur Noir (1975)
- Prix St. Michel du meilleur dessinateur étranger (Brüssel 1978)
- Le prix de lÁssociation 813 de la Meilleure BD au Festival du Polar de Reins (1982)
- Le grand prix de la ville d´Angouleme pour l´ensemble de son oeuvre (1985)
- Alph-art du public für "Jeux pour mourir (Angouleme 1994)
Schließlich erhielt Jacques Tardi den Titel "Chevalier dans l´Ordre des Arts et Lettres" (Ritter des Ordens der Kunste und der Literatur).
Tardi ist ebenfalls ein sehr vielseitiger Illustrator und Graphiker: 1985 veröffentlichte der Verlag "Futuropolis" zwei wichtige Bände: "Mine de Plomb" und "Chiures de gomme", die in erschöpfender Weise die gesamten Arbeiten beinhalten (Buchdeckel, Filmplakate, Skizzen, Karrikaturen), sowie zahlreiche unveröffentlichte Arbeiten.
1988 verwirklichte Tardi einen seiner größten Träume, indem er das bedeutende wunderbare Werk von Louis-Ferdinand Céline "Voyage au bout de la nuit", bestehend aus ungefähr 600 schwarz-weiß-Zeichnungen, veröffentlicht (Verlag Futuropolis/ Gallimard). Diese Veröffentlichung hat einen beachtlichen Erfolg, und Jacques Tardi illustrierte zwei weitere Werke von L.-F. Céline "Casse-pipe" (1989) und "Mort á crédit" (1991).
In diesem Zeitabschnitt arbeitete Jacques Tardi auch an verschiedenen Ausstellungs-katalogen und Romanillustrationen.
Das allerletzte Buch von Jacques Tardi, "Tödliche Spiele", eine vierbändige Bearbeitung des Romans von Géo-Charles Véran, ist Ende 1992 bei Casterman erschienen. Im Oktober 1993 wird sein neues Werk "Il etait la guerre des Tranchées", eine mehrjährige Arbeit, die ihm mit Hilfe von Dokumenten und Archieven aus der Zeit erlaubt hat, die Absurdität und Schrecken dieses 1.Weltkrieges, des Krieges seines Großvaters, in der Form des Comics nachzuempfinden. Das Werk von Tardis war der Gegenstand zahlreicher Ausstellungen in Europa (Frankreich, Belgien, Holland, Spanien, Italien, Portugal, Schweiz). Im August 1993 empfängt Südamerika das Werk zu einem kulturellen Zweck in Chile, mit einer Ausstellung im Museum für zeitgenössische Kunst in Santiago, im November 1993 ist es dann Gast in Brasilien bei der Biennale in Rio.
Schließlich begleitet eine bedeutende Produktion von sérigraphies, Postkarten, Skulpturen, verschiedenen Objekten, T-Shirts, Ansteckern, etc. die Verlagsproduktion von Tardi, zum großen Glück für seine passioniertesten Leser.
"Miguelanxo Prado"
10.00 - 23.00 Uhr
Foyer Carl-Orff-Saal, 2. OG
wurde 1958 in der Hafenstadt La Coruna in Galizien im Nordwesten Spaniens geboren. In seiner Kindheit und frühen Jugend interessierte er sich nicht besonders für Comics, eher für klassische Malerei. Erst mit 20 entdeckte er den Comic als faszinierendes Medium, das Bilder und Worte künstlerisch vereinigt. Vor allem die Werke der "Großmeister" Moebius und Bilal zeigten dem jungen Prado die Möglichkeiten der Comic-Kunst.
Bis vor einigen Jahren war Prado nur als Geheimtip und nur in seiner Heimat Spanien bekannt. Doch seit 1989 ist er auch der europäischen Comicszene ein Begriff: seine Film-Noir-Parodie "Manuel Montano" wurde in Angouleme als bester ausländischer Comic ausgezeichnet. Kurz darauf erhielt er in Erlangen den Max-und Moritz-Preis für eine der besten Comic-Veröffentlichungen im deutschen Sprachraum, außerdem weitere Auszeichnungen in Paris, Sierre und Barcelona.
Die Atmosphäre und die Farben seiner Bilder sind von seiner Heimat Galizien inspiriert. Auch die schwermütige Stimmung in "Der tägliche Wahn" (Quotidiania Delirante ) und in seinen Liebesgeschichten spiegelt die Melancholie der galizischen Landschaft und der dort lebenden Menschen wieder.
Besonders in "Der tägliche Wahn" nimmt Prado all die kleinen und großen Gemeinheiten und Gewalttätigkeiten der Konsumgesellschaft aufs Korn: die Geschichten beginnen meist mit ganz alltäglichen Situationen, die jedoch, den Gesetzen des "täglichen Wahns" folgend, stets in abstrusen Katastrophen enden.
Durch seine ironisch-spöttische, übertreibende Darstellung führt Prado dem Leser vor Augen, wie selbstverständlich wir alltägliche Gewalttätigkeiten und neurotische Verhaltensweisen schon als Normalität akzeptieren.
Prados Zeichenstil verbindet verschiedene Stilrichtungen der Malerei, wie Kubismus, Expressionismus und Hyperrealismus. Dabei will er sich nicht auf einen Zeichenstil festlegen, sondern wählt je nach Thema eine adäquate Technik und Form.
Prado zeichnet nicht nur Comics, sondern malt auch und schreibt Novellen und Romane.
Weitere Werke Prados sind die utopischen Erzählungen "Fragmentos da la Enciclopedia Délfica" und "Stratos", das magisch-realistische "Kreidestriche" und die erotischen Kurzgeschichten im Band "Berührungen".
Die Abrafaxe kommen!
10.00 - 23.00 Uhr
40 Jahre Mosaik-Verlag
Gang Foyer Carl-Orff-Saal
AUSSTELLUNG MOSAIK VERLAG
5 Jahre MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag
Ein kurzer Rückblick: MOSAIK startete 1955 als Bilderzeitschrift, die der westlichen "Schundliteratur" entgegenwirken sollte. 1975 wurden dann die Abrafaxe die beliebten neuen Hauptfiguren des MOSAIK-Heftes. Im Laufe der Zeit wurde MOSAIK immer mehr zu einem wirklichen Comic. Generationen junger Leser sind mit MOSAIK als unterhaltsamer Freizeitlektüre aufgewachsen. Aber 40 Jahre MOSAIK-Abenteuer, das ist mehr als nur ein Nostalgie-Phänomen. Denn das monatliche erscheinende "MOSAIK- Die unglaubliche Reise der Abrafaxe" ist durch die Entwicklung der jüngsten deutschen Geschichte zu einem Comic geworden, der ganz Deutschland erobert hat.
1991 wurde der Verlag Junge Welt von der Treuhand liquidiert. Die MOSAIK-Redaktion wurde herumgeschoben, bis ein eigener Verlag gegründet wurde.
Das gesamte Redaktionsteam - 11 feste Mitarbeiter - arbeitete ohne Unterbrechung am monatlichen MOSAIK-Heft weiter.
Heute sind 16 Leute in der MOSAIK-Redaktion tätig. Neben dem monatlich erscheinenden Heft, das von anfangs 26 Seiten auf 54 Seiten Inhalt gewachsen ist, erscheinen regelmäßig Comicgeschichten in Tageszeitungen und Wochenzeitschriften.
Angefangen hat es mit ganzseitigen 4-farbigen Comicseiten in den Wochenendausgaben der Lausitzer Rundschau und der Schweriner Volkszeitung. Nach dem Ende der 52 Folgen wurde daraus das erste MOSAIK-Album "Hollywood Pursuit - Die Abrafaxe in Amerika". Neben vielen tausend Lesern war selbst der amerikanische Präsident Bill Clinton begeistert von dem Krimi-Comic.
COMIXENE schrieb im Februar 1996: "..."Hollywood Pursuit" steht sowohl von der Story als auch vom Artwork her einem internationalen Top-Album in nichts nach! Witzig und spannend zugleich, wird - traditionell - auf eine ganz eigene Weise ein Stück Welt-Geschichte, mit all den großen und kleinen Geschichtchen am Rande nacherzählt. In vergleichbarer - auch handwerklicher - Qualität gibt es in Deutschland nur ganz wenige, die dem aktuellen MOSAIK-Team das Wasser reichen können. Die Ankündigung, daß mit "Next Generation" und "Mach´s noch einmal, Robin" bereits zwei weitere Alben-Projekte in Arbeit sind, macht den Spaß und das Warten auf mehr zu einem zusätzlichen Genuß."
1994 stellte der Verlag eine Ausstellung über Comic in der neuen Bundesländern zusammen, die in Erlangen Premiere hatte und daraufhin über zwei Jahre durch Deutschland zog. Der Ausstel-lungskatalog "Schuldig ist schließlich jeder..." wurde von der Kritik als eines der besten deutschsprachigen Nachschlagewerke gelobt.
Seit Sommer 1995 ist MOSAIK mit kompletten Heften im Internet. Die Statistik des Providers gibt einen Zuwachs bis Februar 1996 auf über 7.500 Zugriffe monatlich an.
Im Dezember feierte MOSAIK 40jähriges Jubiläum. Zu diesem Datum erschien ein Jubiläumsheft. Die drei Abrafaxe wurden ins Berliner Wachsfigurenkabinett
aufgenommen - die ersten Comicfiguren neben der Queen und Kanzler Kohl.
Das Video "40 Jahre MOSAIK", das auf dem Comicfest gezeigt wird, dokumentiert die Geschichte des beliebten Heftes.
Auf dem 6. Comicfest München 1996 wird das neue Album "Next Generation - die Abrafaxe und ihre Macher" vorgestellt: Ein Sammelwerk unveröffentlichter Geschichten aller MOSAIK-Mitarbeiter.
Neben den eigenen Comicgeschichten gibt der MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag die Sonderedition "Fix und Fax" heraus.
MOSAIK ist das auflagenstärkste in Deutschland gefertigte Comic. Die drei Abrafaxe Brabax, Abrax und Califax sind so beliebt, daß sie sich mittlerweile als Kultfiguren etabliert und sogar eigene Fanclubs haben. Eigentlich sind sie unentbehrlich, oder wie es auch der Schwimmstar Franziska von Almsick formulierte "...hat mir das MOSAIK manche langweilige Unterrichtsstunde versüßt. Das MOSAIK gehört in jede Schultasche."
Entgleisungen
10.00 - 23.00 Uhr
Phantasiereisen junger noch unbekannter Nachwuchszeichner
Ausschreibung des Sussmann´s Förderpreises
Foyer Carl-Orff-Saal
Comicfest München präsentiert in einer Ausstellung die gewagtesten, fantastischsten, provozierendsten und witzigsten "Entgleisungen", die den Teilnehmern des diesjährigen Förderpreises Comic-Kunst zu Kopfe gestiegen sind. Ausgeschrieben wurde dieser Wettbewerb von "Sussmann`s Presse und Buch". Jede der präsentierten (dem rechten Wege entglittenen) Phantasiereisen ist das Werk junger, noch unbekannter Nachwuchszeichner. Wer seinen gewagtesten Träumen den richtigen Ausdruck verleihen konnte, darf sich dann möglicherweise auf die verschiedenen Förderpreise freuen. Eine der entgleisten Einsendungen wird der Ehapa-Verlag in einem Sammelband veröffentlichen. Neben dem Kritikerpreis, den eine Expertenjury bestimmt, kann jeder Besucher höchstpersönlich per Stimmkarte über die Verleihung des Publikumspreises mitentscheiden. Jeder, der eine Stimmkarte abgibt, nimmt aber auch automatisch an einer Verlosung teil.
Ausstellung täglich 10.00 - 23.00 Uhr
Preisverleihung 14.9., 17.00 Uhr
Foyer Carl-Orff-Saal
Comic goes International
10.00 - 23.00 Uhr
Italienische, französische, spanische und belgische Originalalben
Foyer Carl-Orff-Saal
Besonders bei unseren europäischen Nachbarn in Italien und Spanien, in Frankreich und Belgien hat sich eine blühende Comic-Kultur entwickelt, die mit beeindruckenden Stories und hochkarätigem Zeichenstil mittlerweile auch international Zeichen und Flagge setzt. Das Comicfest München präsentiert eine Sonderausstellung international erfolgreicher Comic-Alben. Man darf also gespannt sein.
Comic-Buch (Buchschau)
10.00 - 22.00 Uhr
große Buchschau mit allen Neuerscheinungen
Glashalle, Foyers
In einer einzigartigen Buchausstellung werden, nach Verlagen geordnet, wieder an die 1000 der attraktivsten und aktuellsten Comicalben präsentiert.
Die beliebtesten Alben der letzten Jahre und sämtlichen Neuerscheinungen bis August 96 laden den Besucher ein zum Blättern und Schmökern. Ein Generationswechsel zeichnet sich ab: weniger Funnies und Ligne Claire erscheinen, dafür mehr US-Comics. Jüngere Leserschichten werden durch die rasanten, spannenden Mangas aus Japan angesprochen. Unter den besonders interessanten Neuerscheinungen finden sich "Das blaue Tagebuch" von André Juillard und "Der Extremist" von Ted
McKeever - beide Zeichner kommen und signieren live.
Wie in den Vorjahren legt das Comicfest München besonderen Wert darauf, verlagsunabhängig und -übergreifend dem Münchner Publikum das gesamte Spektrum des Mediums Comic zu zeigen.
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