Die Welt der Superhelden

Superhelden sprengen jede Definition. In der brandneuen Doktorarbeit "Der Zeitgeist der Superhelden" sind typische Merkmale zusammengestellt. Aber: Ausnahmen bestätigen die Regel!
"Gemeinhin gelten Wesen als Superhelden, die
1. für das "Gute" eintreten [...].
2. ein Kostüm tragen und/oder eine zweite, geheime Identität besitzen, in der sie einer geregelten bürgerlichen Beschäftigung nachgehen,
3. übermenschliche Fähigkeiten besitzen."
(aus: Sieck, Thomas: Der Zeitgeist der Superhelden. Meitingen: Corian 1999. S. 11)
In der Geschichte der Superhelden-Comics sind die Moralvorstellung der Helden immer sehr eng mit dem Zeitgeist verknüpft. Und bekanntlich hat sich die Moral im Lauf der letzten 50 Jahre beträchtlich verändert. Ein Kampfanzug, meist vervollständigt mit Umhang und Maske (hinter der die menschliche Identität verschwindet), gehört zum Outfit der meisten Superhelden. Die zweite Existenz verbirgt sich unter dem Kostüm. Superman ist der Journalist Clark Kent, Batman der Millionär Bruce Wayne. Ausnahme sind beispielsweise die Fantastic Four, die weder über spezielle Kleidung, noch über eine zweite Existenz verfügen.
Nicht einmal "übermenschliche Fähigkeiten" sind ein eindeutiges Merkmal für Superhelden. Batmans akrobatische Fähigkeiten sind das Ergebnis eines harten Trainings, also vollkommen natürlich. Seinen hervorragenden Spürsinn hat er beim intensiven Studium der Kriminalistik entwickelt.
Die Entwicklung der Superhelden-Comics läßt sich in vier Zeitalter einteilen, die Übergänge sind fließend.
(1938 - Anfang der 50er Jahre)
Auch die "Frühzeit" der Superhelden genannt, 1938 erscheint Superman auf dieser Welt. Die Einzelbilder sind noch sauber nebeneinander gesetzt, die Sprechblasen hängen ordentlich am oberen Bildrand. Grundfarben bestimmen die Colorierung. Ein neues Genre sucht nach Identität. Die ersten Autoren setzten die verschiedensten Elemente aus Horror-, Fun-, Crime-, Si-Fi- und Action-Comics ein.
Die Superhelden folgten Klischee-Vorstellungen. Sie waren kompromißlose, gesetzestreue Heroen, die nach festgelegten Handlungsmustern lebten. Moderne Varianten nordischer oder griechischer Götter. Die Helden sind einsam und ohne Familien - Batman und Superman sind Waisenkinder. Zunächst kennen sie auch in ihrer bürgerlichen Form keine Existenzängste: Superman ist Journalist, Batman schlicht Millionär. Erst 1962 (im Silver Age) schickt der Marvel-Verlag Spider-Man in den Kampf. In dem Spinnenanzug versteckt sich der ständig unter Geldmangel leidende College-Student Peter Parker.
(Mitte der 50er Jahre - Ende der 60er Jahre)
Optimismus, Glaube an hilfreiche Technologien und die Vorfreude auf eine "goldene Zukunft" bestimmen die Superhelden-Comics. Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges waren sich die amerikanischen Autoren und Zeichner einig: In den Comics wurde die Überlegenheit der eigenen Nation präsentiert und propagiert.
Ein Stimmungsumschwung brachten die Studentenproteste. Das Outfit der Superhelden paßte sich der Gegenwart an. Viele wurden völlig neu definiert und mit einem neuen biographischen Background versehen. Außerdem lösten sich die Übermenschen allmählich aus dem Mystizismus, der sie anfangs noch umgab. Unverändert überstanden diese Zeit nur die "Big Three": Superman, Batman und Wonder Woman.
(ca. Ende der 60er Jahre - Mitte der 80er Jahre)
Zeitlich sehr schwer festzulegen. Meistens wird der Beginn mit der ersten Batman-Fernsehserie 1966 verbunden. Geprägt wird das Bronzene Zeitalter durch das Wechselspiel der Medien, v.a. Film, Fernsehen und klassischer Comic. Merchandising wird zum großen Geschäft. Die gegenseitige Beeinflussung von gezeichneter Vorlage und Verfilmung verhilft beiden zu ungeheurer Popularität. Comic wird Kult.
(seit ca. Mitte der 80er Jahre)
Vor allem charakterisiert durch die radikale Veränderung der Helden, die eigene Ansprüche entdecken und sich in von ihnen unbeeinflußbaren Strukturen gestellt sehen. Die Helden werden menschlicher und realitätsbezogener. Selbst Superman wird sterblich. Batman bekommt 100 neue, ganz verschiedene Gesichter. Die brutalen Anti-Helden, Geschöpfe der Hölle erobern den Markt. Die neue Lust am Horror feiert sich selbst. Spawn, der düstere Held, setzt neue Maßstäbe der opulenten Bilderflut und Dynamik.
Der Trend der Comic-Markts der letzten Jahre sind die Superhelden, vorzugsweise in Heftchen-Format.
